Argentum: Ein schweres Vergehen & Nachricht aus Victoria

Lycia hatte sich immer gefreut, wenn man ihr Post bringt. Doch heute wog ihr Herz schwer und Wut brannte in ihr wie ein unlöschbares alles zerstörendes Feuer. Nicht wegen dem Brief von Callista. Nein, sie hatte soeben von Livia, der Sklavin ihres Gefährten, erfahren, das ihre Sklavin Aliya, ihr Besitz und vormals ganzer Stolz, geflohen war. Nach dem Schreck und einem winzigen schwachen Moment der Trauer war da nur noch Wut. Unbändige Wut. Sie betete zu den Priesterkönigen, man würde Aliya zurück bringen, aber nur um sie dafür zu strafen, wie sehr sie das Haus Calpurnianus mit dieser Aktion beschmutzt und blamiert hatte. Sollte ihr Gefährte das Mädchen entbehren können, wusste sie das dem armen Ding einiges bevor stand und am Ende ihr gar der Tod drohen konnte. Lycia hatte sich mit der letzten Konsequenz immer schwer getan und auch dieses Mal war es nicht ihre alleinige Entscheidung, wie man Aliya strafen würde. Also versuchte sie, ehe ihr Zorn wieder aufflammte, zu überlegen, wohin sie hätte fliehen können. Doch  als ihr Kopf so voll war von all dem Zorn und der Trauer, musste sie erst einmal sich eingestehen, das alles nichts half und man dank der Quarantäne nicht aus der Stadt kam.

So setzte sie sich an ihren Schreibtisch und las erst einmal den Brief von Callista. Den mit gesandten Brief für Aurora würde sie ihr Abends bringen, doch gerade war ihr nicht danach unter Menschen zu gehen.

Liebe Lycia,

wie immer tut es gut von Dir zu hören und so aus der Ferne auchweiterhin Anteil an Deinem Leben haben zu können. Ich hoffe Quintus hat die Operation gut überstanden und befindet sich auf dem Weg zur Genesung. Ich hoffe, es ist Dir gelungen, darauf zu achten, dass er sich schont, weiß ich doch ebenfalls, dass er sich gerne zuviel zumutet. Und die Tatsache, dass Eure Sklavinnen menschliche Überreste gefunden haben, wird es Dir in dieser Hinsicht auch nicht gerade leichter gemacht haben. Ich hoffe doch sehr, dass dieser Fund eine einfache und möglichst harmlose Erklärung hat und es keine Gefahr für Euch und all die anderen in Eurem Dorf gibt.

Ich danke Dir auch für Deine Auskunft über Aurora und lege Dir hier einen Brief für sie bei und bitte Dich diesen an sie weiterzugeben. Es freut mich, dass Du Dich soweit mit ihr ausgesprochen hast und hoffe, dass ihr beide in Zukunft gut miteinander auskommen werdet.

Hier in Victoria ist es vergleichsweise ruhig gewesen in letzter Zeit. Arreconius ist nun wohl doch wieder erneut zum Ädil ernannt worden, wobei ich vermutete, dass dies weniger seiner Eignung, sondern mehr dem Umstand geschuldet ist, dass es in der roten Kaste niemand gibt, der dieses Amt oder auch den verwaisten Magistratastuhl anzustreben scheint. Ich muß sagen, dass es mich ein wenig besorgt, dass der Schutz der Stadt ohne wirklich qualifizierte Führung bleibt. Wie ich hörte wird Tiberia Crispus eine Gefährtenschaft mit Arreconius eingehen. Vielleicht kann sie ja ein wenig beruhigend auf sein wenig ausgeglichenes Temperament einwirken, auch wenn meine Hoffunungen nicht sonderlich groß sind.

Was mich selbst betrifft, so habe ich mich hauptsächlich der Zukunft der Thermen gewidmet. Es ist mir gelungen Sina, das Mädchen, von dem ich Dir schon geschrieben hatte zu kaufen und mein guter Eindruck von ihr hat sich bisher weiter bestätigt. Darüber hinaus habe ich nun in Lucius, Fauna und der Schneiderin Martina drei Teilhaber gefunden und werde mit ihnen gemeinsam das endgültige Konzept entwickeln. Nach der Ortsbegehung für die Latrinen der Unterstadt, hat sich der Rat zu einem inoffiziellen Treffen auch schon in die Thermen begeben und Lucius meinte hinterher, dass er mit dem Angebot und den Leistungen der Bademädchen sehr zufrieden war.

Ich habe mir dann auch noch gegönnt, einen Tag frei zu nehmen. Pavidus hatte mich zu einer kleinen Bootsfahrt eingeladen, der ich natürlich sehr gerne nachgekommen bin. An Anfang war mir zwar ein wenig mulmig, als ein paar größere Wellen das kleine Boot doch beträchtlich schaukeln ließen, aber man merkt doch, welch geschickter Seemann Pavidus ist, denn er hat uns ohne größere Mühe sicher in ruhigeres Wasser geführt. Wir haben dann an einer kleinen Wiese angelegt und uns dort zu einem Picnic nieder gelassen. Er hat wirklich keine Kosten und Mühen gescheut, erlesene Speisen und Getränke zu besorgen, sogar eine Flasche von dem teuren cosianischen Kalana von Corvus hatte er gekauft. Er hat mir viel aus seiner Kindheit erzählt, von den Abenteuern, die er gemeinsam mit seinem Freund erlebt hat. Wir haben eine ganze Weile zusammen gesessen, erst ein wenig auseinander, danach eng beisammen. Ich muß gestehen, letzteres war ein völlig neues Gefühl für mich. Auf der einen Seite war ich doch unsicher, ob es vielleicht nicht doch zu unschicklich für mich war, aber auf der anderen Seite war da dieses Gefühl von Geborgenheit, die seine Nähe ausstrahlt und gleichzeitig noch eine wohlige Aufgeregtheit in mir, die ich irgendwie nicht in die richtigen Worte zu fassen vermag. Es war auf alle Fälle ein wunderschöner Tag. Leider hatte er in den folgenden Tag viel zu tun, so dass wir uns danach nicht mehr gesehen haben. Aber Lucius hat ein gemeinsames Essen mit ihm und Pavidus vorgeschlagen und ich freue mich schon sehr darauf.

So, das war es dann auch schon, was ich so zu berichten habe. Grüße doch bitte alle, die mich bei Euch im Dorf kennen herzlich von mir. Ich wünsche Dir, Quintus und allen anderen alles Gute und Liebe und freue mich schon darauf bald wieder von Dir zu hören.

Be well
Callista

Lycia lässt den Brief sinken und lächelt leicht. Callista geht es gut, das war wenigstens etwas. Bald würde sie ihr zurück schreiben, nur leider war derzeit die Laune dafür nicht gegeben. Erst will sie ihre Sklavin finden und sie zurück bringen in das Haus, in das sie gehört.

OOC: Danke an Callista, das der Briefaustausch so gut läuft 😉 Ich brauche noch etwas um den nächsten Brief zu schreiben, aber er wird folgen 😉

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3 responses to “Argentum: Ein schweres Vergehen & Nachricht aus Victoria

    • Theoretisch ja, aber dann wäre der ganze Spaß viel zu schnell vorbei. Wir kommen eh gerade nicht aus Argentum raus, daher hat Lycia viel Zeit um darüber nach zu denken. Sehr viel Zeit.

  1. Ich freue mich auch, dass das Briefe schreiben so schön funktioniert. Und dass man nicht sofort antwortet, da geht es mir ja nicht anders als Dir. Man muß ja auch ein wenig zwischendrin erleben, das man schreiben kann. 🙂

    Und Aliya ist ein undankbares Ding, das gar nicht weiß, wie gut sie es bei Lycia hatte. 😛

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