Boardwalk: Zweifelhafte Moral

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Henrietta hasste ihren Vornamen mehr als alles andere. Deshalb stellte sie sich normalerweise nur als ‘Honey’ vor. Die Menschen waren einfach freundlicher zu einer ‘Honey’. Der Name wirkte weich, naiv, beschützenswert. Deshalb zuckte sie auch erschrocken zusammen als sie hörte wie ihr Stiefvater sie mit ihrem vollen Namen ansprach. Nicht nur der Name klang nach Ärger, auch seine Stimme dröhnte böse in ihren Ohren.

Gerade noch war sie angekommen nach dem Rausschmiss vom Internat, hatte sich ein wenig am Boardwalk umgesehen und einen Kaffee getrunken. Schon hatte es ohne das sie es darauf angelegt hatte, Ärger mit der Polizei gegeben, wegen ihres Rocksaums ihrer Schuluniform. Nun gut, sie hatte diesen etwas gekürzt, aber im Internat hatte man daran keinen Anstoss gefunden. Zumindest hatte der Direktor nie darum gebeten, dass sie sich umziehen sollte. Alter Perversling.

Jetzt aber stand ihr ein gestandener Polizist im Weg, der sie schon als Prostituierte bezichtigte und ihr Stiefvater war natürlich just in dem Moment hinzu gekommen und hatte alles mit angehört. Er tobte vor Wut. Wenigstens war der Bulle wohl einer von der Sorte, die wissen, dass man ab und an Gnade vor Recht walten lassen sollte. Daher liess er Honey laufen. Natürlich war ihr Stiefvater, Luigi Rosso, nicht solch ein Mann.

Als Honey Officer Thompson anbot im Club zu essen, hatte ihr Stiefvater die Chance ergriffen und Honey dazu verpflichtet zu kochen. Sie und kochen. Herr im Himmel, das würde Ärger geben. Nun denn, sie eilte zum Club, stapfte wütend in die erste Etage und zog sich ein ‘passenderes’ Kleid an, das bis über die Knie ging, dafür aber zeigte, das sie noch mehr zu bieten hatte als nur hübsche Beine. Dann ging sie in die Küche, machte alles fertig und auch wenn sie es niemals zugeben würde, sie gab sich Mühe mit dem Essen.

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Natürlich wurde es nicht perfekt, aber als sie es dem Officer servierte, verzog dieser keine Miene. Aber Ihr Stiefvater kannte seine Tochter zu gut und probierte das Essen. Sie musste sich zusammen reissen, doch am Liebsten hätte sie ihm ihre Meinung deutlich ins Gesicht geschrien. Dieser alte Sack war nur leider ein verdammt einflussreicher Mann, was ihr viele Annehmlichkeiten bescherte, die sie nur zu ungern aufgeben wollte.

Auf ihres Vater Geheiß hin brachte sie ihm einen Umschlag in dem eindeutig Bestechungsgelder drin waren. Während ihr Stiefvater den Officer einlullte mit seinem Gerechtigkeits-Schund, flirtete sie ein wenig mit dem Barmann, der herzhaft zu lachen begann. Aber Luigi, ihr Stiefvater, schrie zur Bar, er würde den Mann feuern, wenn er sich weiter so gegenüber seiner Tochter verhalten würde und der Barmann widmete sich schnell wieder den Gläsern.

Honey tobte innerlich, aber was sollte sie tun? Ehe sie sich versah, stand ihr Vater neben ihr und liess sie eine in einer Tüte verstaute Weinflasche geben, die er dem Officer schenkte. Oh Gott, war denn jeder hier so bestechlich? Als der Officer weg war, wollte Honey gerade sich von ihrem Vater entfernen, als dieser sie an den Haaren packte und sie abwehrend murrte, sie käme ja auch so mit nach oben.

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In der Sofaecke oben saßen sie nun. Er hatte genaue Pläne für sie und sie sollte nur zwei simple Regeln beachten. Doch sie hörte gar nicht zu. Stattdessen fing sie damit an, ihre verstorbene Mutter hätte sie sicher statt sie am  Boardwalk versauern zu lassen, nach Europa geschickt, aber mit dem Thema hatte sie wohl einen Nerv getroffen. Denn sofort stand Luigi auf und packte sie fest am Hals. Seine Augen sahen sie eiskalt an. Zwei Regeln sollte sie befolgen. Erstens, nie wieder über ihre Mutter sprechen. Zweitens, niemals den Club oder ihre Familie in Gefahr oder Verruf bringen. Sollte sie diese Regeln missachten, würde er ihr Leben zur Hölle machen und vergessen, dass sie seine Tochter war.

Sie hatte verstanden. Doch als er von den töchterlichen Pflichten  sprach und ihre Hand auf seine Hose legte, konnte sie nicht anders. Sie packte fest zu und raunte ihn an, ob er überhaupt mit ihr mithalten könne. Er drohte ihr, sie solle ihn nicht provozieren, sonst würde sie ihr Können in einem seiner Läden unter Beweis stellen dürfen. Sie seufzte. Er war zwar ihr Stiefvater, aber seine Autorität und Macht zogen sie an. Sie lenkte ein und als er sie bat ihn wieder anzufassen, tat sie es ohne zögern und genoss auch seine Hände, die über ihre Brüste wanderten.

Er gab ihr Geld, steckte es in ihr Dekoltee. Sie hätte sich wie eine Prostituierte fühlen können, aber dafür war sie zu abgebrüht. Sie solle sich was hübsches nur für sie beide kaufen, etwas aus Seide. Sicher. Dieser Schweinehund. Sie lachte, natürlich lachte sie. Denn nur für den Moment war sie auf seiner Seite. Nur so lange, so lange er in dieser Position war. Sie umarmte ihn und küsste ihn. Er schien es zu geniessen.

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Dann ging sie hinaus auf den Boardwalk und sah auf das Meer hinaus. Wenn sie sich so verhielt, wie Luigi es wünschte, wenn sie Buchhaltung lernte und ihm im Club zur Hand ging. Dann würde sie ein sehr gutes Leben haben. Und wenn er sie schon in der Buchhaltung ausbilden lassen wollte, dann war der Gedanke zu einer Geschäftsübernahme irgendwann sicher nicht verkehrt. Ach sollte ihr Stiefvater nur bekommen was er wollte, wenn auch sie bekäme, was ihr zu stand.

Kurz bevor die Wache schloss, klopfte Honey an die Tür des Officers. Sie trat ein und er war wie zuvor sehr ungehalten, aber das störte sie weniger. Sie entschuldigte sich für alles und versprach Besserung. Dann bedankte sie sich dafür, dass er nichts wegen dem Essen gesagt hatte und wünschte ihm einen schönen Abend. Sie verliess die Wache und ging heim.

Der Mann liess sich also schmieren. Gut zu wissen, nicht wahr?

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