Chicago: Zum Wohle der Familie

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Ally schrie und tobte als ihr Onkel ihr eröffnete, dass er sie nicht zu dem Treffen mit Kendrone mitnehmen wollte. Sie wolle mit ihm reden, das wiederholte sie stur immer wieder. Aber Tito reichte es langsam. Er drängte sie zurück in das Schlafzimmer und als er die Tür greifen konnte, sperrte er sie einfach eiskalt ein. Verzweifelt hämmerte Ally gegen die Tür und fluchte teils in englisch, teils auf italienisch. Tito schüttelte traurig den Kopf.

Als er ging um Kendrone am Hafen in so einer Irenkneipe zu treffen war er wütend und gleichermaßen besorgt, dass seine Nichte so verrückt nach diesem Kleinkriminellen war, dass seine Laune nur noch mehr herab sank, als er am Hafen entdeckte, dass dieser Kendrone, diese Schande jeden Italieners, in dem Blumenladen an der Ecke mit diesem O’Donell sprach und scheinbar sogar in freundlichem Ton. Er hatte bevor er nach Chicago kam über alle ihm wichtig erscheinenden Personen Informationen eingeholt. Dennoch wollte er mit eigenen Augen sehen, wie schlimm es wirklich um diese Stadt stand und was für Maßnahmen seinerseits ergriffen werden müssten.

Er liess die Leute vorbei ziehen, beobachtete Kendrone genau, wie er im Club verschwand. Dann regte sein Interesse sich dem verbrannten Gebäude neben sich und er verzog grimmig das Gesicht. Mies gelaunt betrat er den Club, lief an Connor vorbei und direkt zu Kendrone, den er nicht mal richtig begrüsste. Er bestellte Espresso und das Stew, dann legte er unverblümt los, gab Kendrone Allys Kündigung und sagte ihm wie es in Zukunft laufen würde. Ally, von ihm selbst nur Allissa genannt, würde nie wieder für Kendrone arbeiten und auch aus dem Appartement ausziehen, was sie von ihm gemietet hatte. Sie würde den Club besuchen dürfen, denn ihr Onkel wusste, das konnte er ihr nicht verbieten. Doch dann sah er Kendrone an und sprach davon, dass er ihm nicht den Umgang mit seiner Nichte verbieten könne. Natürlich meinte er, er würde ihm niemals den Umgang mit ihr erlauben. Nicht freundschaftlich und schon gar nicht so, wie die zwei es gehandhabt hatten. Kendrone war verheiratet, er sollte es besser wissen, dachte Tito und er sollte Recht behalten.

Langsam wurde Tito ruhiger, genoss den Espresso, aß sein Stew und bestellte Whiskey. Der Club war nun brechend voll, er sah sich kurz um, schüttelte amüsiert den Kopf. Chicago war ein Chaos, aber die Menschen schienen zufrieden zu sein. Es gefiel ihm. Als er erfuhr, das die Tänzerin auf der Bühne O’Donnells Frau war, musste er  sich zwar stark zusammen reissen, weil er wirklich schockiert war, aber der Whiskey half ihm dabei. Bald verabschiedete er sich und reichte Kendrone als Zeichen seines Respekts die Hand. Kendrone hatte auf seine Ehre geschworen, sich an das zu halten, was Tito angeordnet hatte, das liess ihn hoffen, er würde es wirklich tun. Dann brach er auf und ging zur alten Wohnung von Ally, befreite sie aus dem Schlafzimmer, wo sie missmutig ihre Koffer packte und seufzte schwer, als er den Kaufvertrag unterschrieb für die Zeitung. Ally fragte direkt, ob sie ihn schon rüber bringen sollte zur Zeitung und Tito sah eine Chance darin. Eine gute Möglichkeit zu testen, wieviel Wert er auf Kendrones Versprechen legen konnte.

Er entsandte Ally zu der Zeitung und folgte ihr heimlich in seinem Wagen. Als sie aus dem Gebäude kam, traf sie wohl einen Bekannten. Der Mann nahm sie in den Arm und sie begann zu schluchzen. Tito war versucht zu ihr zu gehen und sie zu trösten, aber selbst er führte nur aus, was Maria, seine Mutter und Allys Nonna, von ihm verlangt hatte. Dann löste sich Ally von dem Mann, verabschiedete sich und ging durch eine Seitenstraße zum Hafen. Tito fuhr die Hauptstraße entlang, hoffte er wüsste wo sie hin wollte und siehe da, vorm Club der Iren kam sie aus einer Gasse zu einem Auto gelaufen, wo drin eine Frau mit dunkler Haut saß. Sicher die Dame, die zuvor im Club lange am Nebentisch gesessen hatte. Er sah, wie die zwei sprachen und nickte zu sich im Stillen. Allissa würde das schon hin bekommen. Sie war stark, auch wenn sie was ihren Männergeschmack anging wirklich nach ihrer Mutter kam, wie er vermutete. Coco, ihr Vater, hatte niemals die Ehre der Familie in Frage gestellt, wollte sogar Allissas Mutter heiraten, als diese schwanger war, aber dann erschoss man ihn und Allys Mutter wollte mit niemandem mehr etwas zu tun haben aus der Familie, gab ihr Kind sogar lieber in ein Heim. Maria, Allys Nonna hatte dann das nötige getan um Ally ein Leben ohne Vorurteile zu bescherren und hatte eiskalt ihre Mutter aus dem Weg geräumt.

Gerade in Gedanken versunken sah er noch wie Ally in den Club ging und die Türen lautstark ins Schloss fielen. Er stieg aus seinem Wagen, ging zu einem der Fenster und sah wie emotionslos Kendrone Ally gegenüber reagierte. Sie tat ihm unheimlich leid, aber was sollte er tun? Er konnte sich nicht gegen die Belange der Familie stellen und Kendrone schien auch ein Mann von Wert zu sein, denn er hielt seinen Schwur. Ally schien zu toben, brach zusammen und Tito hätte sie gerne da raus geholt, doch sie musste sehen, dass es ernster war, als sie dachte. Sie würde lernen damit zu leben. Es war nicht nur um ihretwillen. Tito hatte von Masseria gehört, Kendrone würde den Boden verlieren, aber so wirkte er nicht. Im Stillen gab Tito ihm noch eine Chance, aber er würde erst noch alles andere in die Wege leiten um sicher gehen zu können, dass seine Nichte keinen Schaden nehmen würde.

Sie würde mit der Zeitung beschäftigt sein vorerst. Das würde sicher über die Trauer hinweg helfen. Als er sah das sie den Club verliess, ging er zu seinem Auto versteckte sich dahinter und fuhr dann schnell zum Zeitung. Die Treppen hinauf in die Wohnung darüber nahm er flinker als er aussah und seine Waffe rutschte ihm etwas aus dem Gürtel. Er nahm sie heraus und legte sie in der Wohnung auf den Kamin. Gut das er sie nicht gebraucht hatte. Ally kam herein, sah verwirrt und müde aus. Er reichte ihr ein Glas Grappa und setzte sich in einen Sessel. Sie streichte aber nur die Schuhe ab, trank den Grappa aus und rollte sich auf dem Bett zusammen.

Seine Nichte hasste ihn, kein Wunder.

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