Chicago: Verdammtes Weibsstück

Viktor saß im Cafe Domielle und hatte gerade seinen Kaffee serviert bekommen, als er aus dem Augenwinkel Madeleine rein kommen sah. Sie setzte sich zu ihm und schien ein wenig nervös. Aber vielleicht täuschte er sich auch. Er hatte sich rasiert, eine gute Hose, Hemd und Weste angezogen und seine Schuhe waren geputzt. Alles in allem war er vorerst wieder unter den Geschäftsleuten zuhause, zumindest rein äusserlich. Maddy beschwerte sich allerdings, das er so kühl ihr gegenüber war. Tja, Pech, dachte er bei sich.  Er war immer noch sauer auf sie.

Aber, diese Frau hatte wirklich klasse. Immer wieder kam sie auf ihre gemeinsame Zeit damals zu sprechen und er merkte wie bewusst sie das Gespräch auf sich lenkte, ihn wieder versuchte zu kontrollieren.

Ja, die Zeiten in New York waren sehr intensiv gewesen. Sie hatte so viel Geld verdient und das Leben in vollen Zügen genossen. Ganz zu schweigen von den Nächten. Dennoch. Die Schmach über ihren Abgang, als er endlich einmal zur Ruhe kommen wollte, saß tief.

Er hatte sich mit seinen Geschäftspartnern nie verkracht, aber sie hatte immer für Ärger gesorgt, war nie zufrieden gewesen. Seine Arbeit hatte die letzten Wochen nur darin bestanden ihre Scherben aufzukehren, ehe sie spurlos verschwand und seine Firma ruinierte. Das Miststück hatte einfach alles verkauft und dachte sie würde ihn nie wieder sehen? Weit gefehlt.

Er war ein anständiger Mann, aber diese Frau trieb ihn durch Himmel und Hölle gleichermaßen. Als er sich verabschiedete um einem Termin nachzugehen und sie aufstand wurde ihm ganz anders. Diese Kurven..

Schnell verabschiedete er sich von ihr und ging hinaus, den Mantel lässig über dem Arm. Die kalte Luft tat ihm gut und so schlenderte er zu einem kleinen unscheinbaren Haus, an dem ein Messingschild angebracht war auf dem stand:

Loyd Cramer

Notar

Dieses Mal, egal was geschehen würde, hätte er alles im Vorfeld abgesichert und sie würde ihn niemals wieder in solch eine missliche Lage bringen.

Er gab nach einem längeren Gespräch dem Notar eine dünne Kladde und einen Brief und verabschiedete sich. Mit einem Schmunzeln verliess er das Büro wieder und machte einen ausgedehnten Spaziergang in der kühlen Winternacht.

Freitag würde er in den Cotton Club zurück kehren, seinen besten Anzug tragen und dieser Kendrone würde wissen, das Viktor durchweg vertrauenswürdig ist. Nun, dies war ja auch keine Lüge. Jede Lüge, die er ersann war nur auf Maddys Mist gewachsen und er hoffte, es kämen keine weiteren dazu.

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